Freund Hein. Ein theatraler Trauerzug

Freund Hein. Ein theatraler Trauerzug

Wir haben uns entfremdet von unserem alten Freund Hein. Er riecht ja auch etwas streng und neigt zu einem recht makabren Humor. Vor allem will er sich partout nicht in unser sorgsam gepflegtes Leben integrieren. Kaum einer lädt Freund Hein noch gern zu sich nach Hause ein. Auf Partys will keiner mit ihm tanzen. Also trifft man ihn immer seltener und niemand erwähnt ihn gerne. So versteckt er sich diskret in Krankenhäusern und Hospizen und fährt in unauffälligen Lieferwagen. Doch wir werden ihn nicht los. Freund Hein wird stets den letzten Beitrag in unserer timeline schreiben. Gerade in Zeiten, in denen wir meinen, alles mehr und mehr steuern zu können, ist der Tod eine Zumutung geworden, die wir möglichst weit von uns fernhalten wollen. Wir glauben, mehr mit der glatten Oberfläche eines Smartphones zu tun zu haben als mit dem toten Vogel am Straßenrand. Wer schreibt schon sein Testament in jungen Jahren oder macht sich Gedanken über seinen facebook-Nachlass. Wer weiß schon, was eigentlich passiert in den letzten Tagen und Stunden unseres Daseins und dass uns ausgerechnet die eigene Netzhaut lange überlebt. Vielleicht geht es deswegen mit blindem Vertrauen ins Jenseits. Für alle anderen endet es bereits im Krematorium. Aber ist das ein Grund, auf Friedhöfen nur noch traurig und leise zu sein? Es gab Zeiten, wo es äußerst beliebt war, mit Freund Hein zwischen Gräbern zu feiern und zu tanzen. Doch der Tod ist schüchtern und still geworden und weicht aus dem öffentlichen Leben – mehr als Zeit, mit einem theatralen Trauerzug auf seinen Spuren zu wandeln.

 

Uraufführung Premiere Samstag, 25. April, 20.00 Uhr Weitere Termine 2./3./7.*/8.*+/9./14.*/15.*/16./21.*/22.* Mai, jeweils 20.00 Uhr 

*Einführung im Foyer ab 19.30 Uhr + Nachgespräch im Anschluss In Kooperation mit den Kommunalen Servicebetrieben, Bereich Friedhofswesen, Stadt Tübingen

Ort: Beginn und Ende im Zimmertheater, verschiedene Stationen, die durch eine Stocherkahnfahrt und Fußwege miteinander verbunden sind.
2 Euromünzen für den Fährmann sind erforderlich. Um angemessene Trauerkleidung wird gebeten.
Text und Realisation: Hannah Zufall
Ausstattung: Sarah Sauerborn
Regieassistenz: Ursel Weikert
Dramaturgie: Ilja Mirsky
Von und mit: Anaela Dörre, Mario Högemann, Thea Rinderli, Christopher G. Wittkopp

Veranstaltungsort Zimmertheater Tübingen - Zimmer - Bursagasse 16, 72070 Tübingen
Text & Realisation Hannah Zufall
Ausstattung Sarah Sauerborn
Termine 25.04.2020 (Premiere) - 22.05.2020
Immer Donnerstags, Freitags, Samstags um 20 Uhr