Catarina oder von der Schönheit, Faschisten zu töten

Tiago Rodrigues

Deutsch von Niki Graça

Premiere: 17. Oktober 2026

In dieser portugiesischen Familie gibt es eine sommerliche Tradition: Immer zum Jahrestag der Ermordung der Landarbeiterin Catarina Eufémia am 19. Mai 1954 durch Schergen der Salazar-Diktatur wird ein Faschist getötet. Die Familienzusammenkunft beginnt mit Essen und Trinken und endet mit der Erschießung des zuvor gekidnappten Delinquenten. Hier wird anscheinend Unrecht gerächt. Als sich die Tochter weigert, das Ritual fortzusetzen, da sie nicht mehr an die Logik der Vergeltung glaubt und an der Gewalt als ein legitimes Mittel zur Verteidigung von Freiheit und Demokratie zweifelt, beginnt eine komplexe politische sowie ethische Auseinandersetzung innerhalb der Familie.
Das Stück stellt gewichtige Fragen, die unmittelbar unsere gesellschaftlichen Realitäten berühren. Was ist heute ein Faschist und wie funktionieren faschistische Rhetoriken? Was heißt heute eigentlich „politisch handeln“? Was hat eine wehrhafte Demokratie anzubieten, wenn Widerstand nicht in Gewalt umschlagen soll? Dürfen wir die Regeln der Demokratie verletzen, wenn wir nach anderen/besseren Wegen suchen, sie zu verteidigen? Besteht gegenwärtig nicht gerade die zentrale Herausforderung darin, „dass wir den Faschismus auf nicht faschistische Weise zu bekämpfen lernen“, so Eva von Redecker?
Und welche zeitgemäßen und in die Zukunft weisenden Ästhetiken des Widerstandes kann hier das Theater formulieren?

Tiago Rodrigues, geboren 1977 in Portugal, ist Schauspieler, Regisseur, Dramatiker und Produzent und seit 2022 Direktor des renommierten Avignon Festivals. Er hat in den letzten 20 Jahren mehr als 40 Aufführungen in über 25 Ländern geschaffen, gründete 2003 zusammen mit Magda Bizarro die Kompanie Mundo Perfeito und wurde 2015 Direktor des Teatro Nacional D. Maria II in Lissabon. Er wurde mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen geehrt, u.a. 2018 mit dem XV. Europäischen Preis für Theaterrealitäten, 2019 mit dem Titel „Chevalier de l`Ordre des Arts et des Lettres“ der französischen Republik sowie den Prémio Pessoa, dies ist die renommierteste Auszeichnung für Kunst und Wissenschaft in Portugal.

„Catarina e a beleza de matar fascistas“ wurde 2020 von Tiago Rodrigues in Portugal uraufgeführt und gastierte vielfach in Europa.
Die deutschsprchige Erstaufführung von „Catarina oder von der Schönheit Faschisten zu töten“ fand am 14.2.26 in der Regie von Mateja Koleznik am Schauspielhaus Bochum statt.

Wir bieten unserem Publikum grundsätzlich nach jeder Vorstellung ein Nachgespräch an. Dazu werden wir Vertreterinnen und Vertreter aus der Tübinger Stadtgesellschaft sowie auswärtige Menschen mit unterschiedlicher Expertise einladen. Im Rahmen der Nachgespräche kooperiert das Zimmertheater mit dem Institut für Rechtsextremismusforschung der Uni Tübingen. Unser besonderer Dank gilt hier Prof. Dr. Léonie de Jonge.

Besetzung

Marco: Paul Smollich
Rui: Udo Rau
Isabel: Christina Weiser
Sara: Sophie Maria Scherrieble
Antonio: Thomas Bockelmann
Romeu: Malte Flierenbaum

Regie: Tobias Schilling
Ausstattung: Birgit Angele
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Technik: Mike Michelius, Alexander Schwab

Verlag: Henschel Schauspiel

 

Nachgespräche Catarina
Samstag, 24.10.: Dr. Martin Ulmer, Geschichtswerkstatt Tübingen, Jessica Reichert (Junge Geschichtswerkstatt Tübingen) und ein Vertreter der Young Guides Tübingen

Freitag, 30.10.: Dr. Christopher Gohl und Dr. Bernd Villhauer

Samstag, 31.10.:  Mechthild von Luxburg mit vier weiteren Omas gegen rechts

Donnerstag, 5.11.: Prof. Dr. em. Monika Meister und Prof. Dr. em. Klemens Gruber, Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Uni Wien

Freitag, 6.11.:  Prof. Dr. Léonie de Jonge, Professorin für Rechtsextremismusforschung, Institut für Rechtsextremismusforschung, Uni Tübingen

Freitag, 13.11.: Dr. Sabine Volk, assoziierte Wissenschaftlerin am Institut für Rechtsextremismusforschung, Uni Tübingen,

Donnerstag, 19.11.: Prof. Dr. Annett Heft, Professorin für Rechtsextremismusforschung mit Schwerpunkt Medien und Öffentlichkeiten an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Uni Tübingen, Dr. Kilian Bühling, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Mareike Stürenburg, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institut für Rechtsextremismusforschung, Uni Tübingen

Freitag, 20.11.: Prof. Dr. Tanja Thomas, Lehrstuhl für Transformationen der Medienkultur, Medienwissenschaft, Universität Tübingen

Samstag, 21.11.: Prof. Dr. Barbara Stauber, Professorin für Erziehungswissenschaft mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik, Institut für Erziehungswissenschaft, Uni Tübingen

Donnerstag, 26.11.: Prof. Dr. Markus Rieger-Ladich, lehrt allgemeine Erziehungswissenschaft und engagiert sich im Institut für Rechtsextremismusforschung, Uni Tübingen

Donnerstag, 17.12.: Dr. Christopher Gohl, Dr. Bernd Villhauer, Welt-Ethos-Institut Tübingen

 

 

 

Heisenberg

Simon Stephens

Deutsch von Barbara Christ

Premiere: 5. Dezember 2026

„Wahrscheinlich gehen Sie am besten, glaube ich, davon aus, dass alles, was ich Ihnen letzte Woche erzählt habe, erstunken und erlogen ist." Georgie Burns

Normalerweise geht man Menschen wie der 42-jährigen Georgie besser aus dem Weg. Dem deutlich älteren Alex aber bleibt keine Wahl. Wie eine Naturgewalt bricht die exaltierte Frau in sein Leben: Im belebten Bahnhof küsst sie ihn einfach auf den Nacken. Eine Verwechslung, wie sich herausstellt – was Georgie nicht daran hindert, Alex ab jetzt hinterherzulaufen und ihm ungefragt ihr Herz zu öffnen. Sie sei Killerin, nein, Kellnerin, nein, Sekretärin. Ihr Mann ist tot. Sie war nie verheiratet und hat keine Kinder. Ihr Sohn lebt in Amsterdam.
Für den scheuen Metzger Alex ist das alles so fremd wie faszinierend. Einerseits stört die Chaotin seinen pedantisch geregelten Alltag, andererseits verliebt er sich in sie, samt ihrer Widersprüche und dem schamlosen Bekenntniszwang. Doch dann merkt er, dass die Begegnung mit ihr offenbar kein Zufall war und Georgie einen klaren Plan verfolgt...

Stephens geht in seinem Stück von der Theorie der Unschärferelationen des Physikers und Nobelpreisträgers Werner Heisenberg aus, dessen Kern darin besteht, dass ein beobachtetes Teilchen sich unvorhersehbar verhält und dass man das vorhergesehene Verhalten des Teilchens nicht wirklich beobachten kann. Dabei fokussiert er die Frage, wie sich unsere Wahrnehmungen von Menschen und Beziehungen verändern - je nachdem, was wir über sie erfahren.
„Heisenberg“ ist ein Stück, das sich zwischen Screwball-Komödie und Melodram bewegt und meisterhaft genau in der Beschreibung der Psychologie einer Beziehung ist. Und das dazu verführt das Leben schamlos zu feiern, gerade weil diese Liebesbeziehung so schräg wie erfrischend ist.

Simon Stephens, geboren 1971, arbeitete u.a. als Barkeeper, DJ, Bassist in einer Band, als Hausautor am Royal Court Theatre in London und ist seit 2017 Professor für szenisches Schreiben an der Manchester Metropolitan University.

Er ist einer der renommiertesten englischen Dramatiker, der zwei Mal den Laurence Olivier Award erhielt und von der Zeitschrift Theater heute mehrfach zum besten ausländischen Dramatiker des Jahres gewählt wurde.

 

Besetzung

Georgie Burns: Noemi Fulli
Alex Priest: Udo Rau

Regie: Thomas Bockelmann
Ausstattung: Birgit Angele
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Sound: Jens Kilz
Technik: Mike Michelus, Alexander Schwab

Verlag: Rowohlt Theater

 

Gift. Eine Ehegeschichte

Lot Vekemans

Deutsch von Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach

Premiere: 12. Dezember 2026

Nach mehr als zehn Jahren kommen ein Mann und eine Frau zusammen, an dem Ort, wo ihr Kind begraben ist. Beide haben verschiedenen Wege eingeschlagen, mit dem Tod des Sohnes umzugehen. Er ist nach Frankreich gegangen, hat versucht, ein neues Leben zu beginnen, wird bald wieder Vater werden. Sie ist zurückgeblieben in dem gemeinsamen Haus, fühlt sich einsam in ihrer Trauer und kann den Gedanken an Veränderung kaum ertragen.
Der Grund ihrer Zusammenkunft ist ein Brief, in dem die Umbettung ihres Sohnes, der bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam, angekündigt wird, nachdem man auf dem Friedhof Gift im Boden gefunden hat. Aber warum lässt sich die ganze Zeit niemand von der Friedhofsverwaltung sehen?
Das Elternpaar begegnet sich unsicher, versucht eine neue Annäherung. Doch der Schmerz hat eine schwer überbrückbare Kluft gerissen...
Gift ist eine tastende Suchbewegung zweier Menschen nach der Möglichkeit, die Vergangenheit zu akzeptieren, in gemeinsamer Erinnerung Ruhe zu finden und Vertrautes wieder zuzulassen. Dabei lässt das Stück selbst in dieser tiefen Tragik auch komische Momente aufblitzen.

Lot Vekemans, geboren 1965, studierte Soziale Geografie an der Universität Utrecht und besuchte die „Writerscholl t Colofon“ in Amsterdam und zählt heute zu den renommiertesten niederländischen DramatikerInnen. Für ihre Theaterstücke erhielt sie zahlreiche Preise, u.a. 2005 den Van Der Vies Preis für „Truckstop“ und „Schwester von“, 2010 den Taalunie Toneelschrijftprijs für „Gift“ sowie 2016 den Ludwig-Mülheims-Theaterpreis für religiöse Dramatik.

Lot Vekemans lebt in Nieuw Balinge, Niederlande.

 

Besetzung

Sie: Sophie Maria Scherrieble
Er: Malte Flierenbaum

Regie: Mirjam Neidhart
Ausstattung: Birgit Angele
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Technik Mike Michelus, Alexander Schwab

Verlag: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb

 

 

 

 

Paris danach 

(Terrasses ou Notre long baiser si longtemps retardé)

Laurent Gaudé

Deutsch von Margret Millischer

Premiere: 6. März 2027

Ein milder Herbstabend in Paris. Vielleicht eine der letzten Gelegenheiten, draußen zu sitzen. Eine junge Frau freut sich auf ein Wiedersehen mit ihrer Geliebten. Zwillingsschwestern feiern den gemeinsamen Geburtstag. Nach einem Streit mit ihrem Mann geht eine junge Mutter auf ein Konzert – endlich wieder einmal tanzen, sich selbst genießen. Es ist Freitag, der 13. November 2015. Eine Bombe explodiert während eines Fußballspiels. Auf den Straßen und im Konzertsaal Bataclan schießen Männer mit Maschinengewehren in die Menge. Plötzlich herrscht der Ausnahmezustand, ist eingetreten, was unvorstellbar schien.
Laurent Gaudés vielstimmiger Choral folgt nicht nur den Opfern der Anschläge, sondern auch denen, deren Leben sich in dieser Nacht für immer verändert: Einsatzkräfte, die sich ins Chaos und Grauen stürzen, Ärzte die Triage-Entscheidungen treffen müssen, Menschen, die unzählige Notrufe entgegennehmen, Angehörige, die über Stunden versuchen, ihre Liebsten zu erreichen. Und dann ist es vorbei, aber nicht zu Ende. Menschen sind gestorben, schwerverletzt, Wunden sind geschlagen, die kaum zu heilen sind.
Gaudé hat das kollektive Trauma dieser Nacht in ein formbewusstes, poetisches nicht-dokumentarisches Theaterstück überführt, das nachhallt, zutiefst berührt. Aber dem Unmenschlichen auch etwas Heilsames und humanistische Energien entgegenstellt: „Wir werden uns vor die Cafés setzen, um unseren Mördern zu sagen, dass sie nicht gewonnen haben, dass sie niemals gewinnen werden. Dass wir noch am Leben sind. Mit einem Lächeln auf den Lippen. Einem erhobenen Glas Wein in der Hand, um das Leben und die Freunde zu feiern.“  

Laurent Gaudé, geboren 1972 in Paris, hat Literatur studiert, an der Sorbonne unterrichtet und zahlreiche Theaterstücke, Erzählungen und Romane verfasst. Der Roman „La Mort du roi Tsongar“ erhielt 2002 den Lauréat du Goncourt des lycéens und 2003 den Prix des libraires. 2004 wurde er für „Le soleil des Scorta“ mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
„Les terrasses/Paris danach“ wurde 2024 am Théâtre de la Colline in Paris uraufgeführt, der deutschsprachigen Erstaufführung im Oktober 2026 am Deutschen Theater Göttingen, folgt das Zimmertheater Tübingen.

 

Besetzung

Malte Flierenbaum, Elias Popp, Udo Rau, Sophie Maria Scherrieble, Christina Weiser

Regie: Thomas Bockelmann
Ausstattung: Birgit Angele
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Musik: N.N.
Technik: Mike Michelus, Alexander Schwab

Verlag: Rowohlt Theater

 

 

Macbeth

William Shakespeare

Deutsch von Schlegel/Tieck und anderen

Premiere: 8. Mai 2027

Macbeth ist, so auch der Shakespeareforscher Harald Bloom, der wohl unglücklichste aller Shakespearschen Helden, und zwar deswegen, weil er der mit der lebhaftesten Einbildungskraft ist. Oder in den Worten des schlaflosen und von Alpträumen geplagten Macbeths: „Was ist, ist nicht so schlimm wie das, was man sich vorstellt.“

Shakespeare thematisiert in seiner kürzesten und blutigsten Tragödie die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz und kreiert eine Welt, die uns wie eine gefallene Schöpfung erscheint, in welcher der unbedingte Machtwille, die Verführung durch Macht, die nicht endende Gewaltspirale und der Blutkreislauf der Vorstellungskraft alles zu dominieren scheinen. Inwieweit verweist der (tyrannische) und zwischen Sein und Schein kreisende Kosmos der Macbeths auf die heutige Welt, in welcher die Selbstvernichtung des Menschen unaufhaltsam voranschreitet und der Bund mit der Natur längst aufgekündigt wurde?

Das zwischen 1603 und 1607 entstandene Stück erzählt ebenso vom Verhältnis der Geschlechter. Im Zentrum des Geschehens steht das Paar Lady Macbeth und Macbeth, die sich wie Magnete anziehen und abstoßen, von Schuld und Verdrängung heimgesucht und von Geistern der Vergangenheit verfolgt werden. Interessant ist hier, auf welche Schuld unser (westliches) Leben eigentlich gebaut ist und welche aus unserer Vergangenheit kommenden Geister uns beschäftigen oder eben nicht beschäftigen. Und erinnert der Tötungsdrang der Macbeths nicht auch an die untergehenden Bonnie und Clyde?

Zugleich fordert das durch seine bildkräftige und poetische Sprache leuchtende Nachtstück, in dem prophezeiende Hexen, aber eben auch Geister auftreten und sich gleich ein ganzer Wald in Bewegung setzt, das Theater wie selten heraus.. 

Wir spielen Macbeth, in Fortsetzung zu unserer Sturm-Inszenierung, in einer Fassung für zwei Schauspielerinnen und einen Schauspieler, die immer wieder ihre Rollen wechseln und gemeinsam spielerisch gerade die offenen Deutungshorizonte dieses vielschichtigen Dramas erkunden werden. 

 

Besetzung

Elias Popp, Sophie Maria Scherrieble, Christina Weiser

Regie: Olivia Müller-Elmau
Ausstattung: N.N.
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Technik: Mike Michelus, Alexander Schwab

 

 

 

Die Geburt des Spielmanns und andere Monologe aus Mistero Buffo

Dario Fo

Deutsch von Peter O. Chotjewitz

Premiere: 29. Mai 2027

„Kommt herbei, ihr Leute, der Spielmann ist da! Ein Spielmann bin ich, der tanzt und springt, der euch zum Lachen bringt und sich lustig macht über eure Herren! 

„Die Geburt des Spielmanns“ ist ein Monolog aus Dario Fos Sammlung „Mistero Buffo“, die eine besondere Stellung in Fos Theaterwerk einnimmt. Darin bringt der große italienische Komödiant und Literaturnobelpreisträger Dario Fo (1926-2016) sein zentrales politisch-künstlerisches Vorbild ins Spiel: den volksnahen Spielmann, Gaukler, Scharlatan und fahrenden Sänger. „Der Monolog des Spielmanns“ ist ein mittelalterliches Volksstück aus Sizilien. Wir erleben einen Gaukler, der erzählt, daß er ein Bauer war, bevor er Spielmann wurde und dass Christus ihn zum Volksdichter gemacht habe. In diesen „weltlichen Mysterienspielen“ treten die biblischen Figuren nicht als Heilige auf, sondern als Menschen aus dem Volk. So auch in dem Stück „Die Hochzeit von Kanaa“, in dem ein Betrunkener und ein Erzengel um die Gesprächshoheit ringen.

Udo Rau spielt, wie von Dario Fo empfohlen, überwiegend in der regionalen Mundart, also Schwäbisch. 

Besetzung:
Es spielt Udo Rau in der Regie von Thomas Bockelmann.

 

 

 

„Komm! Ins Offene, Freund!“

Gedichte von Friedrich Hölderlin. Ein poetisch-musikalischer Abend mit Bernhard Hurm und Christoph Denoth.

Premiere: 20. September 2026

Der Mitbegründer des Theater Lindenhofs Bernhard Hurm zählt zu den profiliertesten Hölderlin-Interpreten im deutschsprachigen Raum. Mit großer Sprachkraft und feinem Gespür für Rhythmus und Klang lässt er die Gedichte Friedrich Hölderlins lebendig werden. Christoph Denoth ist einer der prägenden klassischen Gitarristen unserer Zeit. Er gastierte als Solist unter anderem in der New Yorker Carnegie Hall und in der Berliner Philharmonie. Seit 2010 ist er Professor an der Royal Academy of Music in London.

 

 

 

„Mein Sorgenschreck“

Gedichte von Friederike Mayröcker und Ernst Jandl. Ein poetisch-musikalischer Abend mit Christina Weiser, Thomas Bockelmann und Christoph Denoth.

Premiere: 1. November 2026

Friederike Mayröcker und Ernst Jandl gehören zu den bedeutendsten Stimmen der österreichischen Nachkriegsliteratur. Sie verband eine jahrzehntelange künstlerische Partnerschaft und die gemeinsame Suche nach den Möglichkeiten der Sprache. Während Jandl mit Sprachwitz, Lautgedichten und spielerischer Radikalität die Grenzen des Sagbaren auslotete, erschuf Mayröcker poetische Welten aus Erinnerungen, Bildern und Klängen. Christina Weiser und Thomas Bockelmann bringen diese außergewöhnliche Sprachkunst zum Klingen – begleitet von der Musik des international renommierten Gitarristen Christoph Denoth.

Christina Weiser ist seit 20 Jahren am Staatstheater Kassel. U.a. wurde 2017 die Orestie mit ihr als Klytämnestra mit dem deutschen Theaterpreis DER FAUST ausgezeichnet. 2018 war  sie für ihre Darstellung der Gayle/Laura in Nina Raines Stück Konsens in THEATER HEUTE als Schauspielerin des Jahres nominiert.

Thomas Bockelmann ist Regisseur, Schauspieler und seit über 34 Jahren Intendant. Christoph Denoth zählt zu den prägenden klassischen Gitarristen unserer Zeit und ist Professor an der Royal Academy of Music in London.

 

 

 

„Weil zwei Singulare kein Plural sind“

Gedichte von Mascha Kaléko. Ein poetisch-musikalischer Abend mit Sophie Maria Scherrieble, Thomas Bockelmann und Christoph Denoth.

Premiere: 24. Januar 2027

Mascha Kalékos Gedichte verbinden feinen Humor, leise Melancholie und eine große Menschlichkeit. Ihre Verse erzählen von Liebe, Sehnsucht, Alltag und den kleinen Wahrheiten des Lebens – mit einer Sprache, die bis heute unmittelbar berührt.
Mit Witz, Volker Weidermann beschreibt sie als eine Dichterin, „in deren Humor, Esprit und Melancholie wir uns selbst erkennen“. Ihre Verse sind bis heute von erstaunlicher Gegenwärtigkeit.
Sophie Scherrible und Thomas Bockelmann bringen Kalékos poetische Welt auf die Bühne. Christoph Denoth gestaltet den Abend musikalisch mit und verwebt die Texte mit seinem ausdrucksvollen Gitarrenspiel.

Sophie Maria Scherrieble studierte Schauspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlin und sammelte Bühnenerfahrungen unter anderem am Berliner Ensemble und am Theater Orchester Biel Solothurn, zuletzt in Heilbronn. Die in Regensburg geborene Schauspielerin ist zudem als Musikerin und Liedermacherin tätig. Ab der Spielzeit 2026/27 ist sie Ensemblemitglied am Zimmertheater Tübingen.

Thomas Bockelmann ist Regisseur, Schauspieler und seit über 34 Jahren Intendant. Christoph Denoth zählt zu den prägenden klassischen Gitarristen unserer Zeit und ist Professor an der Royal Academy of Music in London.

 

 

„Die Liebenden“

Gedichte von Bertolt Brecht. Ein poetisch-musikalischer Abend mit Thomas Bockelmann und Christoph Denoth.

Premiere: 21. März 2027

Bertolt Brechts Liebesgedichte erzählen von Nähe und Distanz, von Begehren und Vergänglichkeit, von Sehnsucht und den Widersprüchen menschlicher Beziehungen. Zwischen Zärtlichkeit, Klarheit und feiner Ironie zeigen sie eine überraschend persönliche Seite des großen Dramatikers und Lyrikers. Selbst Thomas Mann, der Brecht persönlich nicht schätzte, soll gesagt haben: „Das Scheusal hat Talent.“

Thomas Bockelmann ist Regisseur, Schauspieler und seit über 34 Jahren Intendant. Christoph Denoth zählt zu den prägenden klassischen Gitarristen unserer Zeit und ist Professor an der Royal Academy of Music in London.

 

 

Wiederaufnahmen

 

Mutters Courage

George Tabori

Ab dem 17. September 2026

George Tabori hatte ein feines Gespür für den Witz in einem Kontext des Grauens, für die absurde Pointe im Reich des Bösen. In "Mutters Courage" erzählt er die unmögliche Geschichte einer sechzigjährigen Jüdin, die 1944 in Budapest auf der Straße verhaftet und mit 4030 Anderen im Viehwagen nach Auschwitz deportiert wird. Und als Einzige überlebt. Die unmögliche Geschichte ist eine wahre Geschichte. Elsa Tabori hat sie erlebt. Ihr Sohn hat sie aufgeschrieben. Sie gehört seitdem zum festen Bestand einer oral history – natürlich nur für diejenigen unter uns, die glauben, dass man Geschichte nicht mal eben „hinter sich lassen“ kann. Was laut einer Umfrage schon 2015 81% der Deutschen in Bezug auf den Holocaust gerne täten. „Ist doch klar: die Deutschen werden uns Juden Auschwitz nie verzeihen“ so der israelische Psychoanalytiker Zwi Rex.
Taboris Hommage an seine Mutter ist im weiteren Sinne eine Hommage an alle Mütter, deren Mut, Witz und Lebenswille ihren Kindern die Möglichkeit gaben, ihr eigenes Trauma zu bewältigen. Die Aufführung hat in den vergangenen 30 Jahren über 170 Vorstellungen – unter anderen  in New York und in Los Angeles – erlebt.

Elsa Tabori: Sigrun Schneider-Kaethner
Georg Tabori  Thomas Bockelmann

Inszenierung: Thomas Bockelmann
Bühne: Pia Janssen
Kostüme: Ursina Zürcher    
Musik: Erich Radke
Dramaturgie: Michael Volk

Premiefe 13. September 2025


Das sagt die Presse:

„Dieses Feilschen um Formulierungen, das natürlich auch ein Verhandeln von Wahrheit ist, ist mit lakonischem Witz ausgearbeitet, dient aber vor allem dazu, das Entsetzen hinter der Geschichte erträglich zu machen. Wunderbar ist dieses Spiel der beiden – präzise, zart, berührend. Großer Applaus“.
Anja Witzke, Theaterkritikerin

„Eine schwarze Komödie, die weder die Banalität noch das Grauen ausspart. Aber auch liebevolle Momente zwischen Mutter und Sohn Tabori zulässt. [...] Von Sigrun Schneider-Kaethner und Thomas Bockelmann berührend gespielt."
Christoph Ströhle - Reutlinger General-Anzeiger

„Das Stück [...] ist in seiner Kernbotschaft kompromisslos. [...] Und es lässt Fragen offen. Insofern eignet es sich für Diskussionen."
Peter Ertle - Schwäbisches Tagblatt

 

 

 

PRIMA FACIE

Suzie Miller

Deutsch von Anne Rabe

Ab dem 18. September 2026

„Es muss sich ändern!“

Die Unschuldsvermutung besteht, solange das Gegenteil nicht bewiesen werden kann und gilt als Fundament unserer Rechtsprechung. Damit arbeitet auch die Strafverteidigerin Tessa Ensler. Sie gilt als eine der Besten und ihr Spezialgebiet ist die Verteidigung von Männern, die der Vergewaltigung angeklagt sind. Virtuos untergräbt sie die Glaubwürdigkeit der Opfer.  
Bis sie selbst zum Opfer und dann mit ihren eigenen Mitteln konfrontiert wird.  

Ein fulminanter Monolog, der nicht die Frage nach Recht sondern nach Gerechtigkeit stellt. Denn, so die australische Autorin Suzie Miller, „die weibliche Erfahrung sexualisierter Gewalt passt in kein von Männern geprägtes System“.
Suzie Miller, die zuvor als Menschenrechts- und Strafanwältin wirkte, schuf mit "Prima Facie" ein Theaterstück, das seit 2019 weltweit für Furore sorgt, viele Preise erhielt, als Roman ausgebaut, sowie gerade verfilmt wird. Und hoffentlich auch mit dazu beiträgt, dass „die Scham endlich die Seite wechselt“ (Gisèle Pelicot).

Johanna Engel spielt Tessa Jane Ensler

Regie: Magdalena Schönfeld
Ausstattung: Rabea Stadthaus
Dramaturgie: Dr. Stefan Tigges
Aufführungsrechte: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb
Fotos: Tobias Kopp
Trailer: Joachim Schmid

Verlag: Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb

Premiere 20. März 2026


Das sagt die Presse:

„Wie nun […] die Tessa von Johanna Engel gespielt wird, ist hervorragend. Wie sie kauert und schaudert, zürnt und trauert, triumphiert und verzweifelt. Ganz gemäß den in diesem Stück rasch wechselnden Affekten. Die sie mit modulationsfähiger Stimme variiert. Dynamik und Sprachtempo gekonnt wandelt. […] Es ist ein Zeitstück. Ein düsteres zwar, ein dunkles und dramatisches. Übt aktuelle Gesellschaftskritik. An Zuständen, die durch Protagonisten wie Epstein oder Høiby aufgekommen sind.“ Jörg Riedelbauer - Reutlinger Generalanzeiger

„Johanna Engel […] hat in diesen Verhörsituationen die stärksten Momente. In der Inszenierung Magdalena Schönfelds wirken Videos, Musik und Requisiten wie sparsam kolorierte Stellen einer Schwarzweißfotografie. Theater pur […] Ein wirkungsvolles Konzentrat.  […] Ausstatterin Rabea Stadthaus hat die Bühne mit stabilen Würfeln versorgt […] aus denen sich mit Laken und Weinglas rasch ein Bett bauen lässt, genauso schnell lassen sie sich zu Bänken im Gerichtssaal anordnen oder als Mauer aufschichten, die auf dem Polizeirevier oder vor Gericht die psychische Aussagetortur verkörpert. Theater pur!"
„Die Verteidigung muss die Seite wechseln – und klagt an" Peter Ertle - Schwäbischen Tagblatt