Ein Schulprojekt
Frank Wedekind
Premiere: 10.04.10
Leitung: Endre Holéczy
Eine dramatische Geschichte vom Erwachsenwerden, dem Entdecken der eigenen Sexualität und einer Gesellschaft, die anstatt aufzuklären, tabuisiert und unterdrückt.
Die drei Jugendlichen Wendla Bergman, Moritz Stiefel und Melchior Gabor sind im besten pubertären Alter und durchleben alle damit verbundenen Probleme. Ihr Dilemma dabei ist, dass sie in einer Gesellschaft erwachsen werden müssen, die sie weder aufklärt, noch offen mit ihren Problemen umgehen kann. Als Folge ihrer unterdrückten Sexualität und ihrer Identitätskrisen geraten die drei in immer größere Katastrophen.
Frank Wedekind schrieb Frühlings Erwachen um 1890, aufgeführt wurde das von Zeitgenossen als „Dokument der Unsittlichkeit“ angefeindete Stück aber erst 1906 unter der Regie von Max Reinhardt. In 19 Szenen geht Wedekind dem Schicksal der drei Jugendlichen auf sensible Art und Weise nach: trotz direkter Sprache gelingt es ihm, die unbewussten Sehnsüchte, Überforderungen, Verwirrungen und Triebstrukturen des Pubertätsalters einfühlsam einzufangen. Er kritisiert mithilfe von oft satirisch wirkenden und grotesk überzogenen Charakteren die bürgerliche Sexualmoral des Wilhelminischen Kaiserreiches und macht auf den daraus resultierenden Druck aufmerksam.
Frühlings Erwachen soll in Zusammenarbeit mit Tübinger Schülern entstehen. Bewährt hat sich eine solche Kooperation bereits anlässlich des Gedenkens des 09. Novembers 2008 mit dem Wildermuth-Gymnasium.
Das Mindeste an Freiheit
„Frühlingserwachen“ mit Uhland-Schülern am Zimmertheater
Dramaturgin Nina Schmulius sprach mit den Schauspielern.
Nina Schmulius:
Was hat euch bewegt, an dem Projekt teilzunehmen?
Jonathan Hörnig:
Ich habe in der Schule bereits Theater gespielt und wollte gerne wissen, wie sich das Schultheater vom professionellen Theater unterscheidet.
Wie unterscheidet es sich denn?
Dorothee Jakob:
Es war grundsätzlich ernster als Schultheater. Zwar gab es auch Strecken, in denen wir auch total albern waren, aber eigentlich fühlte es sich ernsthafter an.
Jakob Cieslinski:
Albern kannst du so nicht sagen. Weil es total produktiv war, dieses Alberne. Wir haben viel mehr rumprobiert und selbst, wenn uns etwas ganz albern vorkam, hat Endre es sofort ins Stück eingebaut.
Samuel Wörz:
Der große Unterschied zum Schultheater war auch, dass wir bei den Proben viel mehr über die Hintergründe des Stücks diskutiert haben.
Jonathan Hörnig:
Ja, darüber, was Wedekind mit dem Stück sagen wollte.
Solvejg Schomers:
Aber nicht nur, was Wedekind sagen wollte. Was wollen wir eigentlich damit sagen, war auch eine Frage, die wir uns oft gestellt haben.
Was ist euch denn wichtig an dem Stück?
Jonathan Hörnig:
Ich denke, unser Thema ist der Konflikt zwischen Erwachsenen und Jugendlichen. Das ist ein Konflikt, den es immer gibt. Die Formeln sind immer irgendwie gleich. Nur im Gegensatz zu heute war die Gesellschaft, in der das Stück spielt, anders.
Was ist denn für euch so ein typischer Konflikt zwischen Erwachsenen und Jugendlichen?
Jonathan Hörnig:
Das kann man eigentlich nicht ganz genau sagen. Heute sind die Konflikte abhängig von den Eltern, die man hat. Es ist ja fast alles möglich, von schlagenden Eltern bis hin zu Eltern, mit denen man sich nur darüber streitet, wer jetzt den Müll rausbringt.
Jonathan Hörnig:
Ja, aber manche Dinge haben sich auch gar nicht verändert, zum Beispiel das Problem der mangelnden Kommunikation. Der Maßstab ist eben nur anders.
Jakob Cieslinski:
Man könnte sagen, dass damals das Größte an Freiheit war, was heute das Mindeste an Freiheit ist.
Schwäbisches Tagblatt 12.04.2010