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Theater
- Schwesterliebe und Brudermord: Christian Schäfer findet für Friedrich
Schillers Trauerspiel »Die Braut von Messina« am Zimmertheater
eindringliche Bilder |
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Leidenschaft in Versen |
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VON CHRISTOPH B. STRÖHLE |
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TÜBINGEN.
Der Friede ist von kurzer Dauer, die Schatten der Vergangenheit,
Schuld, Vertuschung und Zerstörung holen die Gegenwart ein: Regisseur
Christian Schäfer hat Friedrich Schillers Trauerspiel »Die Braut von
Messina« am Zimmertheater zu einem packenden Theaterabend verdichtet.
Die Premiere am Samstag wurde vom Publikum bejubelt. Die inhaltliche
Nähe zu Sophokles »König Ödipus« ist nicht zu übersehen, auch wenn
Schiller einen ganz und gar fiktionalen Stoff verwendete. Wie dort geht
es um Schicksal, Strafe, Inzest und Familienmord. |
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Hannah
Kobitzsch als Beatrice und Moritz Peters als Don Manuel in der neuen
Zimmertheater-Produktion »Die Braut von Messina oder Die feindlichen
Brüder« als Beitrag zum Schillerjahr.
FOTO: FANY FAZII
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Zwei
verfeindete Söhne des verstorbenen Fürsten von Messina verlieben sich
in dieselbe Frau, nicht ahnend, dass die Schöne in Wahrheit ihre
Schwester ist. Der Fürst hatte zuvor die Tötung des Mädchens befohlen,
um so dem prophezeiten Niedergang seines Geschlechts zu entgehen. Doch
die Fürstin hatte diese Pläne durchkreuzt und die Tochter am Leben
gelassen. Sie hofft auf die Weissagung, nach der die zerstrittenen
Brüder durch die Liebe zur Schwester vereint werden.
Auch formal hat sich Schiller deutlich an der antiken Tragödie
orientiert und damit so manchen Zeitgenossen vor den Kopf gestoßen. So
fand Clemens Brentano das Stück »langweilig, bizarr und lächerlich«. Zu
Unrecht? Aktuell ist die Tragödie vor allem da, wo sie die Unfähigkeit
zu kommunizieren zum Thema macht. Wo Zeichen - meist falsch - gedeutet
statt hinterfragt werden. Wo nicht Verständigung, sondern die
Kriegsmaschinerie zu ihrem Recht kommt.
Schillers Sprache fesselt
Erstaunlicherweise fesselt zudem gerade Schillers Sprache. Wenn die
Figuren in Jamben ihren Furor entfachen, wirkt das zwar seltsam
distanziert, doch versetzt Schiller die Zuschauer ganz bewusst in eine
kritische Distanzhaltung zum Bühnengeschehen. Die Geschichte um die
verfeindeten Brüder ist bei ihm auch ästhetisches Experiment und Absage
an das Illusionstheater seiner Zeit.
Dennoch nimmt man den Darstellern die Leidenschaft ihrer Figuren ab.
Nicole Schneider wirkt als Isabella heutig in ihren Lebensäußerungen,
ist einerseits fürsorgliche Fürstin und Mutter, die beklagt: »O, meine
Mutterliebe ist nur eine/Und meine Söhne waren ewig zwei!« Andererseits
gibt sie sich bisweilen sonderbar kühl und beherrscht.
Moritz Peters als Don Manuel und Endre Holéczy als Don Cesar geben klar
denkende Brüder ab, die in ihrem Handeln jedoch hitzig und enthemmt
sind. Hannah Kobitzsch schwankt als Schwester und Geliebte Beatrice
zwischen dem liebesschwärmerischen Teenager und der in böser Vorahnung
Umnachteten. Robert Arnold und Frank Siebenschuh schaffen es, im auf
zwei Soldaten reduzierten Chor - zwei Chöre sind es, genau genommen -
sowohl als dienstbare Handlanger ihres Herrn als auch als
kommentierende Instanz wahr- und ernst genommen zu werden.
Chasper Bertschingers Bühnenbild fügt dem Kellergewölbe eine
zusätzliche (bewegliche) Wand und eine Metalljalousie als
Projektionsfläche für Monologe hinzu. Wie die Kostüme ist es weitgehend
zeitlos gehalten. Der Botenbericht wird in Schäfers stringenter, auf
übersteigertes Pathos verzichtender Regie durch das Handygespräch
ersetzt. Das ist, neben Italo-Pop-Klängen in den Umbaupausen und
Anspielungen auf die Mafia, aber auch eines der wenigen Zugeständnisse
an den Zeitgeist. (GEA) |
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