Joachim Zelter

Professor Lear (Uraufführung)

Premiere: 18.02.10
Ort: Zimmer
Regie: Christian Schäfer
Ausstattung: Hella Prokoph

 

Professor Eiger: Vilmar Bieri
Gertrud Eiger: Nicole Schneider
Cordelie: Hannah Kobitzsch
Professor Mönch: Robert Arnold
Assistent: Moritz Peters

 

Man nennt ihn Geistesriesen. Letzten Intellektuellen des Landes. Philosophenkönig. Eiger Nordwand unter den Denkern. Die Rede ist von Professor Eiger, weltberühmter Philosoph. An seinem Geburtstag wird er in einem großen Festakt von seinen Ämtern an der Universität verabschiedet.

Es beginnt der Ruhestand – in emsiger Arbeit an Buchprojekten. Und es beginnt Eigers Niedergang: Von den Kollegen bald vergessen, an der Universität kaum vermisst. Ein Niedergang, der sich auf allen Ebenen abzeichnet, in Anzeichen wachsender Fehlleistungen, geistiger Verwirrung und zunehmender Einsamkeit. Akt für Akt kommt dem sprachgewaltigen Philosophen die Sprache abhanden. Und mit der Sprache das Gedächtnis und die Erinnerung.

Professor Lear lotet die größtmögliche Fallhöhe des Tragischen aus. Die Demenz als Endpunkt intellektueller Brillanz. Doch entfaltet sich in diesen Fallhöhen eine große Menschlichkeit. Eine Menschlichkeit jenseits aller geistigen oder sonstigen Würden, die sich gerade in der Nacktheit und Unbehaustheit des Helden herausbildet. Die Rechtfertigung des Lebens durch das nackte Leben.

Joachim Zelter, Hausautor des Zimmertheaters (Alpha Park und Tod in Tübingen - zusammen mit Eva Christina Zeller - liefen in der Spielzeit 07/08) verwendet in seinem neuen Stück Motive des Shakespearschen Klassikers König Lear – „I fear, I‘m not in my perfect mind“ – und bringt sie in Zusammenhang mit einem Phänomen, das es immer schon gab und in unserer immer älter werdenden Gesellschaft zusehends in den Blickpunkt gerät: der Demenz eines Menschen in all ihren Facetten.

 

 

 

Presse zu Professor Lear

 

Theater der Zeit, 22.03.2010

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Die Deutsche Bühne, 04/10

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Reutlinger Generalanzeiger, 20. 02.2010:
….Diese Kontrastierung dient der Zuspitzung der Ideale jugendlich-chaotischer Kreativität und Lebenslust versus Altherren-Wissenschaftsmacht. Sie lässt die Inszenierung Richtung Groteske rücken, was ihr aber gut ansteht.
Diese Entwicklung vom Haustyrannen über den von seinen Sprachfehlern zu improvisierten Ausflüchten getriebenen Professor, zum Hunde liebenden, leicht obszönen und Süßigkeiten verschlingenden Greis spielt Vilmar Bieri geradlinig, ohne aufgesetzte Gesten, mit überzeugender Intensität.
Robert Arnold als geschniegelter Professoren- Freund und Rivale, sowie Moritz Peters als Eigers Assistent, bereichern ihre Figuren mit der karikaturistischen Note, welche die Leichtigkeit und Wahrhaftigkeit des Stückes ausmachen. (-> ganzer Artikel als PDF)


Reutlinger Nachrichten, 20. 02. 2010:
Die Regie jedenfalls haucht der Vorlage viel Leben, Gefühl und Dramatik ein, mit Gespür für die unterschiedlichen Dimensionen der Erkrankung, während das Ensemble glänzend vielschichtig agiert…..
Vor allem Gastschauspieler Vilmar Bieri erlaubt einen tiefen, fein nuancierten Blick in die Seele seiner Figur, indem er nicht nur nach Plan regrediert, sondern dabei seine widersprüchliche Gefühlswelt glaubhaft zum Ausdruck bringt. (-> ganzer Artikel als PDF)


Stuttgarter Nachrichten, 20. 02. 2010:
Bei seiner feinen Bühnenabhandlung über Abhängigkeiten und die Macht der Floskel gelingen dem Mitintendanten des Zimmertheaters bildstarke Szenen, die an Thomas Bernhards beißende Tragikomik erinnern.
Wesentlichen Anteil an dem berührenden Abend haben die fünf Schauspieler, insbesondere Vilmar Bieri als Professor Eiger und Nicole Schneider in der Rolle seiner Frau Gertrud. Wunderbar komisch sind schon allein die Frühstücksrituale der beiden. (…) Mit differenzierten Tönen zeichnen die beiden Darsteller den langsamen Persönlichkeitszerfall des Gelehrten nach (…) (-> ganzer Artikel als PDF)


Schwäbisches Tagblatt, 20.02.2010:
Zelters Stück ist keineswegs die übliche Klerinbürgergroteske im Generationenclinch. Der fast schon geniale Kniff besteht darin, dass Shakespeares Tragödie vom Unglückskönig Lear in ein heutiges Leben einsickert, das wiederum vom chronischen Gedächtnis- und Persönlichkeitsverlust zerstört wird.
Bieri steigert sich eindrucksvoll in des langen Tages Winterreise in die Nacht.
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SWR 2:
Als Retrospektive bekommt der Zuschauer vom durchweg glänzend spielenden Ensemble des Zimmertheaters die letzten Jahre des Ehepaars Eiger vorgeführt.
Zelters beklemmende, sprachlich brillante Dialoge entfalten dabei einen ungeheuren Sog. (-> ganzer Artikel als PDF)

 

FAZ: (-> ganzer Artikel als PDF)

 

 

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Lear Front

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Interview mit Joachim Zelter (Kulturfinder-BW)