|
|
|
Premiere:
|
Zwei selbst ernannte Nobelpreisträger - ein kunstler' und ein universitätenprofessor' - ergehen sich über die großen Themen der Menschheit: Sprache, Kunst, Kultur, Frau. Schäumendes Bildungsgeschwafel über das kunstvaterland', selbstgefällig und pfauenhaft, denn deutschen sprach sein ein kulturensprach'. Ernst Jandls geniales Konversationsstück die humanisten' (Uraufführung 1976 in Graz) ist eine ironische Entlarvung von Menschen, die den Wert ihres Daseins nur über Titel, Renommeé und gesellschaftlichen Stellenwert definieren. Die sich Künstler oder Wissenschaftler nennen, um ihren Opportunismus und ihre Machtgier zu kaschieren. Dies alles muss mit Sprache hergestellt werden. Um das zu karikieren, hat Jandl für das Philistertum der "Humanisten" eine Kunstsprache entwickelt, die zwar auf der deutschen Sprache fußt, aber eine ganz eigene Grammatik enthält. Nichts ist so, wie es scheint. Jandl "(..)sitzt in seinem Wort-Spielsalon, hat seine Konson-Antennen ausgefahren und treibt Vok-Algebra, und manchmal führt er übermütig buchstabierend vor, dass die Sprache auch eine Art Buchsta-Bierbrauerei sein kann" (Georg Hensel) Ernst Jandl, (1925-2000) Büchner-, Kleist-, und Hölderlinpreisträger,
ist einer der bekanntesten österreichischen Autoren des letzten Jahrhunderts
und einer der konsequentesten Weiterentwickler des Dadaismus. Vor allem
Jandls Lyrik sorgte früh für Furore, die Lesungen seiner "konkreten
Poesie" waren legendär; 1988 erhielt er dafür den Deutschen
Kleinkunstpreis. Sein Gedicht "Ottos Mops" erfreut sich bis
heute großer Beliebtheit. "Die Humanisten" entstand aus
Gegenwehr zu einer eklatanten Reaktion braver Bürger' anlässlich
der Aufführung von Wolfgang Bauers Gespenster' im Rahmen des
steirischen herbstes '75'. Nach der Inszenierung von Jandls Sprechoper
"Aus der Fremde" durch Vera Sturm im Jahre 2003, setzt das Zimmertheater
die Beschäftigung mit Ernst Jandl fort. Unweit der Wohn-und Arbeitsstätte
von Johannes Reuchlin(1455-1522), Deutschlands erstem Humanisten, drängt
sich die Aufführung des Stückes förmlich auf.
|